Abschied vom Partisanen Elia

Contropiano – PCI

Einige Tage vor der Beerdigung wollten wir Elia Putzolu, dem heutigen Partisanen, die Ehre erweisen, der im Alter von 27 Jahren im Kampf für die Freiheit der Völker des Donbass gegen die Nazi-Milizen und die Putscharmee von Kjev starb.

Er hatte beschlossen zu gehen, um die Heuchelei und die Ungerechtigkeiten des Westens hinter sich zu lassen, Mailand zu verlassen, wo er wie viele unserer Generation als Barkeeper arbeitete. Und dies jedoch, indem man die Resignation verweigert und sich in den Dienst des Kampfes der Völker des Donbass stellt, indem man sich auf die richtige Seite der Geschichte stellt, die des Antiimperialismus und der Selbstbestimmung der Völker, der dasselbe, dass wir aufgerufen sind, auch hier unsere Heimat gegen den imperialistischen Krieg der NATO, der USA und der Europäischen Union in der Ukraine zu tragen.

Auf der falschen Seite steht jedoch heute die gesamte politische Klasse im Parlament, dieselbe Klasse, die seit 2014 den Putsch von Kjev und seine Massaker unterstützt hat, von der des Gewerkschaftshauses in Odessa bis zur Zollabfertigung und Ausbildung von Neonazis. Nazi-Bataillone und die heute weiterhin den imperialistischen Krieg der NATO und der EU führen und zu einer sehr ernsten militärischen Eskalation beitragen, die Gefahr läuft, die Menschheit in eine Dritte Welt oder einen Atomkrieg zu führen.

Mit Elias Beispiel in unseren Herzen werden wir weiterhin noch stärker gegen die Barbarei des imperialistischen Westens für eine andere Welt kämpfen.

Auf Wiedersehen, Partisan Elia, in den Kämpfen werden wir Ihre Erinnerung am Leben erhalten.

Meiner lesenden Kundschaft möchte ich heute Südtiroler Literatur vorstellen, der ich mich aus Arbeitersicht verpflichtet fühle

https://sites.unimi.it/dililefi/costazza/Pubblicazioni/S%FCdtiroler.pdf

Das hat Alessandro Costazza geschrieben unter dem Titel:

„Die Südtiroler hatten über sich nichts auszusagen“. Vergangenheitsbewältigung in der Südtiroler Literatur der fünfziger und sechziger Jahre

In dem Zusammenhang, möchte ich an Norbert.C.Kaser erinnern

Ich möchte damit meine Leser bitten, sich nur Etwas mit der Vergangenheit und auch mit Ihrer Zukunft zu befassen. Wenn ich es schon tue oder getan habe, wird es doch meinen lieben Gastgebern eine Leichtigkeit sein.

Ihnen kann nur ein Licht aufgehen.

Also, geben Sie bitte Ihren Wunsch, meine Arbeiterliteratur im eigenen Land gedruckt zu bekommen, auf. Gehen Sie zu Amazon und BoD. Diese Händler haben keine Probleme mit der Vergangenheitsbewältigung aus Arbeiter- und Bauernsicht. Schon gar keine – mit der Gegenwart. Meinen Kollegen und Leidensgenossen, stelle ich natürlich meine Literatur auch weiter hin kostenlos zur Verfügung. Zumindest als Ebook und Blogeintrag.

Leseprobe Der Saisonkoch – Wintersaison – Erster Monat

Im Ersten Teil vermittle ich neben der Arbeit auch Rezepte, Menüs und diverse Arbeitsanleitungen. Eigentlich sollte das ein Kochbuch geschmückt mit Erlebnisberichten werden. Ein Tagebuch ist das Ergebnis.

Auszug:

Jetzt lege ich auf den Grill noch Speckscheiben. Das muss jetzt außerordentlich schnell gehen, weil die Platte sich schon den dreihundert Grad nähert. Ich schalte die Gaszufuhr ab. Das kann ein Spaß werden in der kommenden Zeit. Ein-Aus. Wenn dann die Piezozündung nicht geht, muss ich mit einem Holzstäbchen das Gas anzünden. Ein Thermostat kostet mit Einbau, etwas um die einhundert Euro. „Das muss gebaut werden.“

Acar meint, der Chef wüsste das schon vier Wochen. Tja, die Leute, die damit nicht arbeiten müssen, vergessen schnell die Reparatur.
Jetzt, nachdem das Fleisch fertig ist, frage ich Acar, ob seine jungen Kollegen wissen, wie Topfennocken gehen. Eigentlich braucht man dafür Kartoffeln, die am Tag vorher gekocht wurden. Die sind trockener als frisch gekochte. Acar ruft Berk zu sich. Berk ist ein unverkrampfter, junger Mann, der sicher schnell lernt. Er wollte die Nocken mit Weißbrot herstellen. Praktisch, wie Knödel. Die Variante hätte ich eher im Rahmen der Vorspeisen gewählt. Die anderen Methoden waren ihm fremd. Er kannte sie aber vom Gefriersortiment industrieller Erzeuger. Da werden sie als Knödel und gefüllte Knödel angeboten. „Was schätzt Du, mit welchem Träger die Knödel hergestellt wurden?“
„Mit Grieß“, war die prompte Antwort.
„..und?“
„Weiß ni.“
„Kartoffel“, gab ich zum Besten.
„Aaah“, zeigt er sich überrascht.
„Ich mach Dir die ersten vor.“
„Danke!“
„Zuerst schälst Du mir bitte vier Kilo Pellkartoffeln. Nimm die aus dem Dämpfer.“
Er kühlt sich die Kartoffeln. Ich gebe ihm einen Pellkartoffelschäler.
„Mit dem geht das schneller.“
Die vier Kilo waren in keinen zehn Minuten geschält. Die Augen von Berk leuchten.
„So einen muss ich mir auch kaufen!“ „Dafür reicht ein gezacktes Handmesser“, sagt Acar.
Jetzt geben wir die Kartoffeln wieder in den Dämpfer bei einhundert dreißig Grad. Mit Dampf. Acar beobachtet, was wir tun. Jetzt gehen wir zur Schlagmaschine. Ich nehme einen Schlagbesen für feste Massen. Der feine ginge auch, wenn er stabil genug ist. Berk hängt den Kessel aus und wir geben in den Kessel die heißen Kartoffeln. Nach dem Einhängen stelle ich die Maschine auf wenig Geschwindigkeit und schalte sie ein. Jetzt gebe ich Muskat, etwas Salz, Vanillesirup, Zitronenschale und Zucker dazu. Kurz darauf füge ich, schluckweise, Eigelb dazu. Ich erhöhe etwas die Geschwindigkeit. Die Jungs staunen, wie sich die Masse mit dem Eigelb verfestigt. Die Masse ist jetzt soweit fertig und wir nehmen sie ab. Dann geben wir die Masse, flach, in Gastronormbehälter. „Acar, stell die mal ins Kühlhaus. Am besten, auf den untersten Regalboden. Die Masse muss recht zügig abkühlen.“
„Wir haben im Trockenlager einen Schnellfroster. Ich mache das damit.“
Den hatte ich bis jetzt noch gar nicht zur Kenntnis genommen. Der Schnellfroster ist natürlich ideal für unser Vorhaben. Acar kühlt die Masse mit der milden Froststufe schnell herunter. Jetzt können wir in die Masse, doppelt griffiges Mehl geben. Doppel griffiges Mehl ist ein Dunst, aus dem auch unsere Teigwaren hergestellt werden. Dazu geben wir Quark und etwas Eiweiß. Nach dem Kneten muss das Nocken formen recht zügig erfolgen. Die Masse ist wegen der Restwärme instabil. Das liegt am Mehl. Mehl reagiert mit Flüssigkeit und wird mürbe. Baser kommt mit zwei Löffeln und fängt an, Nocken zu formen. Die anderen Kollegen gesellen sich zu ihm. Ich gehe schnell zum Kasten, in dem die Bestecke für das Salatbuffet liegen. Dort werde ich fündig. Im Kasten liegen vier tropfenförmige Salatlöffel, mit denen wir ganz schnell die Nocken formen. Eigentlich gibt es dafür auch Zangen, in der Art einer Eiszange. Leider haben nur wenige Betriebe, brauchbares Handwerkszeug. Ich zeige den Kollegen, wie man Nocken mit einem Salatlöffel macht. „Das geht ja zehn Mal schneller“, sagt Acar zu mir. Meine Kollegen lachen laut. Sie hätten im Traum nicht an so eine Möglichkeit gedacht. Eigentlich geht dafür jeder Löffel. Salatlöffel sind aber schön tief ausgeformt. Damit werden die Nocken etwas größer. Die fertigen Nocken geben wir auf achtzehn Millimeter, Eineintel Bleche und schieben die in den Dämpfer. Heute sind einige Abreisen und wir benötigen für unsere zwei Hotels, nur einhundert zwanzig Nocken, bei einer Nocke pro Gast. Selbstverständlich drehen wir reichlich Reserven. Pro Hotel, um die fünfzehn Nocken. Es wird auch recht oft, Nachschlag geordert. Die Kollegen sind fertig und Berk schlägt mir leicht auf die Schulter und sagt: „Spitze, die Erfindung!“ „Ich hab das nicht erfunden.“ „Doch!“ Während unsere Nocken dämpfen, können wir uns mal mit einer Zigarette und einem Kaffee belohnen.

Sommersaison – Frühjahr

Unsere Küche liegt im Keller. Eine Etage tiefer als das Erdgeschoss. Eigentlich ist das günstig. Man muss nur die Fenster öffnen zum Entlüften. Die Lage hat aber auch einige Nachteile. Kalte Luft fällt nach Unten und drückt die warme, auch die feuchte, nach Oben. An der Decke der Küche ist das Ergebnis zu sehen. Die Decke droht stellenweise herab zu fallen. Gasbetrieb und der wirklich heiße Betrieb von Ölöfen wird den Zerfall der Decke noch beschleunigen.

Der Nachteil dieser Lage ist aber auch anderweitig spürbar. Der Sauerstoff, den das Gas und der Ölofen verbrennt, kommt nicht in dem Maße zur Küche, wie man es tatsächlich benötigt. Die Luft wird dünn. Abhilfe soll nun die Öffnung der Kellertür bringen. Aber genau das, stört wieder die Empfindlichen. Zugluft. Stelle ich jetzt noch die Lüftung ein, kann ich schon von einer Knappheit an Sauerstoff reden. Und die ist selbst für eine noch brennende Gasflamme gefährlich. Das Gas geht einfach aus. Wenn ein großer Topf darauf steht, sieht das der Koch nicht. Die Piezozündung soll für gewöhnlich eine unkontrollierte Entzündung der Brennstelle verhindern. Wir würden das als Explosion bezeichnen. Im geringsten Fall als Verpuffung. Unter den Töpfen herrscht aber eine Temperatur, die sich auch auf die Brennköpfe der Gaszufuhr auswirken. Die werden samt dem Bimetall so heiß, dass sich das Gas sofort wieder entzünden kann. Zwei Mal durfte ich das Phänomen beobachten. Ich bekomme langsam ein gemischtes Gefühl bei der Verwendung von diesen Brennstellen. Die Induktion ist mir da bedeutend lieber. Leider ist aber unser Maximalverbrauch begrenzt. Ich versuche schon lange, heraus zu bekommen, ob die Energie des Hauses mit einer Software reguliert wird. Spätestens dann, wenn die Sauna ihren Dienst beginnt, bricht mir das Netz zusammen. Ich stehe dann im Dunkeln. Und das ist besonders gefährlich für mich. Genau aus dem Grund, versuche ich, sämtliche Speisen vor der Ausgabe fertig zu haben. Das ist zwar nicht frisch im Sinne von ganz frisch. Aber es ist die einzige Möglichkeit, unsere Gäste qualitativ hochwertig zu versorgen. Ich nehme Abstand von Hauptgerichten, die zu viel Energie benötigen. Unsere Fritteusen werden mit Gas betrieben. Zum Glück. Das hat aber auch Nachteile. Ziemlich gefährliche dazu. Gasheizungen benötigen einen Austritt. Sozusagen, einen Auspuff wie am Auto. Und dieser Austritt wird ungeheuer heiß. Verbrennungen sind dabei an der Tagesordnung. Und nicht nur das. Die heiße Luft verdrängt zusätzlich Sauerstoff. Der Koch bekommt schnell Kopfschmerzen. Genau aus diesem Grund, hasse ich Gasküchen. Stehe ich in so einer Küche über zehn Stunden am Tag in Sechs – Tage – Woche, sind massive Gesundheitsschäden sicher das kleinste Übel.

Das größte Übel sind Zustände, die das nicht anerkennen. Mit der Anerkennung des Übels, würden auch Maßnahmen ergriffen, das abzustellen. Und genau das findet eben im Kapitalismus nicht statt. Auch nicht in Südtirol. Und das, trotz der Anwesenheit von sogenannten Institutionen, die das überwachen sollen. Angestellte können das nicht anzeigen. Das können nur Fachleute sehen und auswerten. Die Institute sind damit für die Katz. Sie sind ganz sicher nicht für die Köche gedacht. Jeder halbwegs ausgebildete Klempner sieht den Missstand auf der technischen Zeichnung des Gebäudes samt Einrichtung. Den Bürokräften fehlt es an Praxis.

Mein Mittagstisch für die Kollegen ist fertig. Ich habe teilweise Überschüsse vom Abendmenü mit verarbeitet. Die Mama kommt in die Küche und holt sich ihr Essen. Die Familie isst im Gastraum Die Kollegen haben ein Extrazimmer. Es herrscht Rauchverbot. Ich muss durch den Keller auf die Straße schleichen. Die Rauchpause lege ich oft mit Tätigkeiten zusammen, die mich in die Nähe einer Tür nach Außen bringen. Rauchen, Sonnenlicht und frische Luft in einem Atemzug. Das Alles ist knapp in einer Küche. Wir werden das später mit lockeren Zähnen, Hautausschlag und kaputten Lungen bezahlen. Das ist dann der Mehrwert, den der Koch bekommt. Natürlich unvergütet.

Nach dem Mittag verschwinde ich so schnell es geht. Aamit bietet mir an, die Küche zu reinigen. Er möchte die Küche wieder wischen. Den Abzieher, den ich beim letzten Mal organisiert habe, nutzt Aamit nicht. Mir ist das langsam egal.

Kurz vor der Mittagspause kommt die Kollegin. Eine junge Frau. Sie geht recht robust an den Ölofen und wirft ihn an. Es stinkt im Haus wie an einer Tankstelle.

Der Zeitpunkt meines schnellen Verschwindens ist gut gewählt.

„Bis dann“, rufe ich zu den Zweien.

Im Flur meines Zimmers ist schon wieder recht lautes Stöhnen zu vernehmen. Ich glaube, ein Quieken mit zu hören. Auf alle Fälle sind es mehr als zwei Personen. Meine Tür ist noch nicht ganz geschlossen, höre ich das Öffnen der Tür des Zimmers, aus dem die Geräusche kamen. Meine Neugier überwältigt mich. Jetzt bediene ich mich einer Gewohnheit unser leider verstorbenen Nachbarin – Paula. Ich spioniere kurz durch den Türspalt, was da vor sich geht. Auf dem Flur steht eine junge Frau mit einem Zelt im Morgenmantel. Das Zelt erinnert mich an die Mumoprala in meiner Turnhose nach dem Aufstehen. Mutters Morgenprachtlatte ist die Abkürzung von Mumoprala. Wir entschuldigten uns mit dem Argument in der DDR, wenn wir zu spät auf Arbeit kamen. Heute würden wir diese Entschuldigung mit der Hälfte unseres Lohnes bezahlen. Selbst das scheint verboten zu sein für Saisonarbeiter.

Leseprobe Der Saisonkoch Wintersaison – Erster Monat

Eine Kochstelle erhitze ich schon mal auf einhundert sechzig Grad, drei auf einhundert und bei den anderen, nutze ich die Abwärme. Die ersten Bestellungen kommen rein und mit den Bestellungen, Soltan und der Chef. Es sind zwei Zwiebelrostbraten dabei, die in Tirol auch als Rumpsteak gebraten werden. Hierzulande bezeichnet man diesen Braten als Wiener Rostbraten. Im Grunde ist mir das aber egal, weil ich Tiroler Rostbraten eigentlich am Stück brate und langsam, im Holdomat oder in einer Bain Marie, bei sechzig Grad, rosa ziehe. Im a la carte-Geschäft ist die Zeit nicht und man serviert aus dem Grund, ein Rumpsteak als Rostbraten. Der Nachteil ist eigentlich schnell ausgemacht. Der Koch muss sich extra eine Bratenjus bereiten, die er dann als Sauce verwenden kann. Die knusprige Zwiebel für die Garnitur des Rostbratens, backe ich in einer Extrapfanne. Nicht in der Fritteuse. Die Zwiebel wird dafür etwas meliert, mit Salz und Pfeffer gewürzt. Für die Sauce gebe ich melierte Zwiebel in eine Pfanne, röste die gut an und lösche das Ganze mit Jus ab. Nach dem Aufkochen ist die Zwiebelsauce fertig. Die zwei Rumpsteak schiebe ich mach dem Anbraten auf die nicht erhitzten Stellen und lasse sie etwas nachziehen. Es bildet sich etwas Bratensaft, den ich mit einer Palette in die Sauce gebe. Bei der Bestellung kann ich den Vorteil der Bratplatte komplett nutzen. Es sind zwei Spiegelei mit Speck dabei. Bei der normalen Fertigung auf Gas oder einzelnen Elektroplatten, würde ich jetzt für zwei Rumpsteak, Bratkartoffeln und Spiegelei mit Speck, vier Brennstellen benötigen. Umso deutlicher wird das, wenn eine Tischbestellung von vier Gästen kommt, die aus vier verschiedenen Speisen besteht. In der Situation können Sie schon leicht zwölf Brennstellen benötigen, falls Sie vor haben, alle Speisen zusammen zu servieren. Unser Chef, der ziemlich besoffen ist und etwas abwesend wirkt, bemerkt auf einmal, dass ich seine Küche, speziell die Bratplatte, mit dem Essen beschmutze.
„Ich lass mir die Küche so nicht versauen!“
„Wieso nicht?“
Er ist gar nicht mehr fähig, der Antwort zu folgen. Die Tür springt auf und seine Mutter kommt; die Oma.
„Kannst Du Salzburger Nocken?“
Heute hat sie mich das um die zwanzig Mal gefragt. Sie ist schon wieder blau. Soltan hat etwas Zeit und ich rufe ihm zu, er solle mir mal drei Eier trennen. Ich will endlich Mal meine Ruhe vor dieser geistesabwesenden Furie. Jetzt fängt sie noch an, ihren Sohn hoch zu loben:
„Mein Sohn hat in der Schweiz gearbeitet.“
Was soll das? Jeder Saisonkoch hat in der Schweiz gearbeitet. Kochen gelernt, hat dabei sicher keiner. Eher das Gegenteil ist der Fall. In den kleinen Betrieben der Schweiz, wird gekocht wie im letzten Jahrhundert. Dabei rede ich noch nicht von den hygienischen Bedingungen, die ganz sicher etwas befremdlich wirken. In der Schweiz kann ein Koch aber etwas ganz Wesentliches lernen. Das wird oft peinlich vernachlässigt. Der Umgang mit den Produkten, deren Preise und dessen Verwertung, ist in der Schweiz vorbildlich. Aber davon ist bei unserem Chef nichts zu spüren. Ich frage Oma zurück, wie lange er denn in der Schweiz war.
„Ein halbes Jahr hat mein Sohn in der Schweiz gearbeitet.“
„Sommer- oder Wintersaison?“
„Keine Saison!“
„Dafür ist es aber ein recht kurzer Besuch in der Schweiz.“
Die Anspielung hat sie nicht verstanden. In dem Zustand, eh nicht. Die Eier sind getrennt und ich schlage das Eiweiß mit etwas Salz, mittelsteif. Soltan gibt mir zwei Löffel selbstgemachen Staubzucker hinein. Eigentlich hätte ich den teuren gekauften nehmen sollen. Zur Strafe. In das Eigelb habe ich etwas Zitronenschale und Mehl eingerührt. Das Eiweiß heben ich jetzt manuell unter. Den Backofen hat Soltan schon angeheizt und wir geben der Mutter ihr Nockerl rein, damit in dem Zirkus langsam mal Ruhe einzieht. Die Nocke ist fertig und wir geben der Oma die Schale mit. Soll sie sich drauf schmeißen, was sie mag. Zur gleichen Zeit fängt unser Chef an zu jammern, wie seine Bratplatte aussieht. Er meint nicht seine ausgeglühten Stellen. Er meint die paar Fettspritzer und leichte Verkrustung des Fleischsaftes auf der heißen Stelle.
„Ich lass mir meine Küche, so, nicht versauen!“
„Was? Sie wollen in der Küche kein Essen kochen?“
„Schon!“
„Sie wollen allein kochen?“
„Nicht so“, schreit er. Soltan verdrückt sich ins Kühlhaus. Joana kommt gerade vom Abdecken.
„Was hatt‘n der?“
„Suff“, antworte ich.
Oma leiert zwischendurch:
„Mein Sohn hat in der Schweiz gearbeitet.“
Sie hat den Nocken schon gefressen. In ihrem Gesicht klebt noch die Hälfte.
„Oma! Schauen Sie mal in den Spiegel“, sag ich ihr, damit sie sich endlich verdrückt.
Sie geht zu unserem Handwaschbecken und bemerkt, wie sie aussieht. Ich frag mich, ob sie den Nocken mit der Hand gegessen oder ob sie das mit Besteck probiert hat. Die Chefin kommt und geht zur Oma, um sie herauszuführen. Nicht ins Zimmer. In die Bar. Der Chef verdrückt sich in die gleiche Richtung.

Sommersaison – Frühjahr

Irgendwie spüre ich, er beobachtet mich.

Die Heimfahrt dauert nicht zu lange. Ich bin selbst überrascht. Um diese Zeit kann ich auch etwas schneller fahren. Bis auf die orangefarbenen Kästen.

In der Stadt ist noch relativ viel Verkehr. Vor allem, in Richtung Süden.

Joana erwartet mich schlafend. Sie hat mir belegte Brote gerichtet. Wir reden wie immer von der Arbeit. Ein anderes Thema gibt es aktuell nicht bei uns. Sie hat mir Telefonnummern aufgeschrieben, bei denen ich anrufen soll. Nur, wann treffe ich die? Ich müsste ja von Arbeit aus anrufen. Das ist mir schon etwas peinlich wegen der Mithörer. Vielleicht gelingt es mir vor der Tür oder auf dem Parkplatz. Im Zimmer zur Zimmerstunde könnte ich anrufen. Die Nummern nehme ich alle mit. Es sind wieder Handynummern dabei. Keine Namen. Wie soll ich mich bei Jemandem vorstellen, dessen Name ich nicht kenne? Etwas Recherche muss man auch dem Koch zu gestehen.

Arbeit bei Unbekannt. Wer zahlt mir den Lohn? Der Koch macht sich schon auch Notizen, wo ein Schrotthaufen als Küche steht und wo die Arbeit recht angenehm ist. Entscheidend ist wohl eher die Familie und der Arbeitgeber selbst.

Die Nacht geht wieder recht schnell vorüber. Ich stehe zusammen mit Joana auf. Vier Uhr. Fünf Stunden dauerte die Nachtruhe. Ohne Mittagsruhe, wäre ich schon am dritten Tag restlos übermüdet.

Beim Kaffee schaue ich schnell nach, ob ich die Nummern in der Suchmaschine finde. Und siehe da. es gibt sie. Alte Bekannte sind dabei. Bei denen muss ich nicht anrufen. Es sei denn, die haben endlich mal ihre Küche gebaut und den Dreckstall gereinigt. Mein Dreckstall ist es nicht.

Gut vorbereitet, fahre ich zum Dienst. Die Fahrt dauert knapp dreißig Minuten. Auf der Heimfahrt muss ich tanken. Bei dieser Arbeitsstelle muss ich alle fünf Tage tanken. Eigentlich wäre das erträglich. Eine Tankfüllung kostet mich zur Zeit fast dreißig Euro. Demnach benötige ich pro Monat ein Hundert und achtzig Euro. Nur für den Tank. Das fehlt uns natürlich im Kühlschrank. Zum Glück bin ich Koch. Mit etwas mehr Hunger, wird eben etwas mehr probiert. Gastronomen müssten eigentlich ein Interesse an einem hohen Einkauf haben. Sofern es sich um Lebensmittel, Getränke und Küchenausrüstung handelt. Auf erbrachte Leistungen, müssen die nur zehn Prozent Mehrwertsteuer bezahlten. Das ist eine versteckte Subvention. Ich kann nicht verstehen, warum sie gerade dort sparen möchten. Eigentlich müssen sie diese Ausgaben nur gut verteilt einsetzen.

Wie gewohnt, schleiche ich mich wieder ins Haus. Auf meiner Etage höre ich Stöhnen. Ausgerechnet aus dem Damenzimmer. Ich denke gerade an eine Schwarzübernachtung. Auf dem Zimmer geht mir der Ausspruch des Wirtes bei Frenzy von Alfred Hitchcock durch den Kopf. Der Beschäler übernachtet kostenlos.

Ich dusche und lege mich zur Restnachtruhe noch etwas hin. Mit dem Handy wecke ich auf. Das kleine Ding hilft mir schon, Gepäck zu sparen.

Aamit erwartet mich schon.

„Du bist aber zeitig hier heute.“

„Die Seniorchefin macht das Frühstück.“

„Und da musst du natürlich mit da sein?“

„Das ist immer so.“

Die Seniorchefin kommt in die Küche. Sie stellt sich mit Rosa vor. Ihren Namen kannte ich schon.

„Ich wollte ihnen mal zeigen, wie hier das Frühstück geht.“

„Ich habe es ja gestern und auch früher schon gemacht hier. Hat sich Etwas verändert?“

„Jetzt erkenne ich dich. Karl!“

Ich frage mich, wieso sie mich jetzt erst erkennt. Ich war doch erst vor Kurzem hier. Sie hat doch bei mir Mittag gegessen und ihr Frühstück abgeholt. Sie wird doch nicht etwa der Chef eines Kalksteinbruches sein?

Brille hat sie jedenfalls keine auf. Vielleicht spart sie daran. Wegen der Schönheit. Einen Rest davon, kann ich erkennen. Sie muss mal ziemlich schön gewesen sein. Jetzt zieht sie etwas das Bein nach. Mit ihrer Hüfte scheint auch Etwas nicht zu stimmen. Sie hat eine geknickte Haltung.

„Na dann; da muss ich mich auch nicht kümmern.“

Irgendwie bemerke ich eine Art innere Freude bei Aamit. Erleichterung wäre wohl der passende Ausdruck.

Aamit wohnt im Ort. Tourismus schafft nicht nur Arbeitsplätze. Er schafft auch Wohnraumnachfrage durch die Arbeiter. Und davon lebt es sich auch gut. Vielleicht sogar bequemer als vom Tourismus.

So, Ihr Lieben,

in den kommenden zwei Tagen wird die Sommersaison-Erster Teil fertig. Er ist etwas größer geworden als geplant. Wir reden von 180-190 Seiten. Das Ende des Frühjahres wird bei uns in Südtirol bekanntlich mit dem Herz – Jesu – Feuer begangen. Und das, scheint mir, ist auch der beste Weg, meinen ersten Teil abzuschließen. Den Rohdruck lese ich mit zwei Korrekturprogrammen durch. Dann wird er von mir in Ebook und PDF umgewandelt. Gleichzeitig spiele ich bei mir noch andere Rohdrucke ein. Die kosten wie alle Ebooks, vier Euro. Das ist meine Art, um Spenden zu betteln. Sozusagen, die Art der Straßenmusiker.

Ich erstelle wie immer, drei verschiedene Cover. Sie werden staunen, für welche Motive ich mich entschieden habe. Gedruckt wird es meine Bücher, wie immer, bei Amazon und BoD geben.

Betreff Amazon, habe ich noch einen kleinen Kommentar zu geben. Wir leben im kapitalistischen System. Ausbeutung ist dort das normale Tagesgeschäft, von dem Sie mehr oder weniger profitieren. Opfer gibt es bekanntlich in hundert Millionengrößen jährlich. Wenn Sie also eine Hetze über ein Unternehmen hören, sehen, glauben und das ausgerechnet von Medien, die für Millionen Opfer verantwortlich sind, dann tut es mir für Sie Leid. In erster Linie können Sie diese Zustände nur beseitigen, indem Sie das System beseitigen. Was das bedeutet, können Sie bei Marx, Engels, Lenin, Stalin, Mao und vielen anderen Genossen lesen. Amazon gehört aber zu den Unternehmen, die sämtliche kommunistische Literatur handeln und damit das freie Wort pflegen. Und das hat Amazon mit Books on Demand gemeinsam. Außerdem haben sich diese Händler dafür entschieden, freie Autoren zu fördern. Und das könnten Sie am eigenen Leib locker ausprobieren. Fragen Sie einfach bei Verlagen, ob die Ihre Bücher drucken und verkaufen. Und dann können Sie sich deren Bedingungen anschauen.

In dem Sinne, werde ich auch eine Rubrik bei mir einführen, in der ich Ihnen Autoren – Selbstverleger von Arbeiterliteratur und deren Werke vorstelle.

Der Saisonkoch

Begraben im Weiher

Nach dem Duschen reden die Zwei über Ema, Iva und Danka. So viel Monika bisher gehört hat von den Eltern und Radim, haben die Drei mit dem Wissen der Familie, Etwas dazu verdient. Jozefa hat mehr gewusst als Ludvik. Das konnte Monika bereits heraus hören.

„Wir müssen morgen zu Sibyla und Danka“, sagt sie zu Toni.

„So, wie du gerade duftest, wird es wohl etwas später.“

„Halte mich nicht immer von der Arbeit ab.“

„Du wirst doch nicht etwa wie die anderen Frauen?“

„Wie meinst du das?“

„Vor der Hochzeit, drei Mal täglich; nach der Hochzeit, einmal jährlich. Mit dem Ehemann.“

„Du kannst es ja mal ausprobieren.“

Beim Kaffee fragt Toni, Monika:

„Ist Ema noch erreichbar?“

„Sie ist bei ihrer Familie.“

„Die Familie muss unbedingt vollständig hier bleiben.“

„Ich sage es Marco.“

„Bleibst du hier?“

„Ich muss noch die ganzen Daten auswerten. Mir wäre das am liebsten.“

Toni fährt nach Unten. Dort wartet schon wieder Marco. Bei ihm ist Donato. Doris kommt sofort mit dem Kaffee.

„Doris. Ich muss wissen, ob auch Danka bei dir war.“

„Geb mir mal bitte das Bild von ihr. Ich frage Julian.“

„Die sind auf den Strich gegangen“, sagt Marco. „Aber nur in Familie – selbst organisiert.“

„Dann besteht ja die Möglichkeit, die Konkurrenz hat da etwas mitgesprochen.“

„Das untersuchen wir gerade.“

„Kennst du die Hauptakteure?“

„Ja. Alle.“

„Hast du die schon vorgeladen?“

„Wir befragen die gerade.“

„Ich muss zuerst zu Sibyla und dann zu Felix.“

„Die Frau war auch bei uns“, sagt Julian.

„Kannst du dich noch erinnern, was die an hatte?“

„Sie kam fast immer in den gleichen Sachen.“

„War sie so fleißig wie Ema und Iva?“

„Das muss ich Garib fragen.“

„Ich komme heute Abend vorbei.“

„Bis dann.“

Toni fährt als Erstes zu Felix. Felix erkennt ihn schon von Weitem. Die Tür öffnet sich.

„Ich muss wissen, ob du alle drei Frauen kennst.“

Toni zeigt ihm die Bilder.

„Die waren immer zusammen.“

„War Sibyla auch dabei?“

„Immer.“

„Hast du ein brauchbares Foto von Sibyla?“

„Aber natürlich. Ich habe fast schon eine Sammlung.“

„Ich brauche nur das Gesicht.“

„Das werden wir leicht finden.“

Die Sammlung ist ziemlich umfangreich. Von gut gekleidet bis Akt.

„Sibyla ist sehr schön.“

„Ja eben. Das ist ein schwerer Verlust für mich.“

Toni findet ein Porträtfoto.

„Das würde ich gern behalten. Bis die Ermittlung abgeschlossen ist.“

„Gerne. Informiere mich bitte, wenn du mehr weißt.“

„Versprochen.“

Jetzt fährt Toni zu Sibyla. Sibyla sieht ihn schon vor dem Haus kommen. Sie steht gerade im Garten und telefoniert.

„Das ist ein schönes Motorrad“, sagt sie zu ihm.

„Danke. Ich habe ein paar Fragen an sie.“

„Ich bin Sibyla.“

„Toni.“

„Ich muss wissen, ob du auch Danka mit vermittelt hast.“

„Natürlich. Das weißt du aber schon.“

„Waren zu den Tanzabenden bei Doris auch noch andere Mädchen dabei. Du vielleicht?“

„Ich war und bin auch ziemlich oft dort.“

„Am Tag des Mordes auch?“

„Da war ich nur kurz. Jonas war mit. Er hat geschimpft mit mir.“

„Warum?“

„Ich habe zu heftig mit Luis getanzt.“

„Eifersucht?“

„Eher Alkohol.“

„Hast du ein Bild von dir?“

„Was für eins möchtest du gern?“

„Naja. Eine Vorlage brauche ich nicht mehr.“

„Ein Passbild vielleicht?“

„Das wäre richtig. Es kann auch etwas größer sein.“

Sibyla holt ein ganzes Sortiment heraus. Toni rollt mit den Augen. Wie scheint, hat Sibyla auch Pornos gedreht.

„Ist das privat?“

„Naja. Das veröffentliche ich im Netz. Ich habe dort meine Seite. Wir leben auch davon.“

„Dann führst du ja schon ein recht großes Unternehmen.“

„Mir wird das schon fast zu groß.“

„Als Personalvermittlung ist deine Firma aber registriert.“

„Ist das etwa keine Personalvermittlung?“

„Du hast Recht. Es ist eine. Ich ermittle nicht in dem Zusammenhang. Es besteht keine Gefahr.“

„So lange du nicht meine Kundenkartei einliest, geht das ja in Ordnung.“

„Steckt dort so viel Gefahr drin?“

„Nicht für mich.“